„Der Spielplatz
  im Waltherpark ist
zur Straße nicht
  abgezäunt."

Regina B., Mutter

Anpruggen

Karte von Anpruggen

Projektgebiet

Das Stadtteilentwicklungsprojekt Anpruggen umfasst jene Teile von Mariahilf und St. Ni- kolaus, die einen historischen Baubestand aufweisen und deren Erscheinungsbild vom Stil der Inn-Salzach-Häuser bestimmt wird. Das sind die Mariahilfstraße und die Innstraße sowie deren Seitengassen, wie die St. Nikolausgasse oder die Fallbachgasse.

Vernetzung mit dem Umfeld

Bei bestimmten Themen werden auch benachbarte Örtlichkeiten miteinbezogen, so das Schloss Büchsenhausen beim Handlungsfeld Kultur oder die Höttinger Au bis zur Universitätsbrücke beim Wirtschafts- verein. Bei Fragen des Verkehrs sind auch alle angrenzenden Räume zu berücksichtigen. 

„...Von Pixenmachern, Badern und Koatlacklern“

Schon lange bevor es zur Gründung des Marktfleckens „Ynsprugge“ durch die bayerischen Grafen von Andechs kam, gab es eine Ansiedlung am nördlichen Innufer. Mit dem Bau der Innbrücke 1180 gewann auch Anpruggen an Bedeutung, siedelten sich dort in der Folgezeit Gewerbetreibende an, welche innerhalb der Stadtmauern nicht genügend Platz vorfanden. Bedeutende Künstlerfamilien lebten hier, so die Steinmetzfamilie Türing, Conrad Seusenhofer, die Glockengießer Reinhardt, zeitweise Mitglieder der Familie Gumpp, die Harnischschneider Topf und natürlich die Büchsengießer und Geschützhersteller Löffler.

St. Nikolaus war also ein frühes Gewerbegebiet, wo Handwerker wie Weißgerber, Steinmetze und Büchsenmacher sowie Kleingewerbetreibende lebten. Etwas abseits vom lebhaften Treiben der Altstadt gelegen, gab es hier aber auch das Sondersiechenhaus, ein Bruderhaus für alte Dienstboten, das Köpfplatzl, eine Hofzimmerhüttenverwaltung, eine Seifensiederei, eine Bierbrauerei und ein Bäckerhaus. Es gab schlichte Häuser genauso wie solche mit prächtigen Portalen, eine Mischung von bäuerlichen und bürgerlichen Elementen.

Das Scheuchenstuhl´sche Mädchen-Waisenhaus, welches aus dem Zucht und Ordnungshaus hervorgegangen ist und später als „Turnusvereinshaus“ diente, offenbart die soziale Einstellung dieses Stadtteils. Die St. Nikolauser Pfarrkirche, ein bedeutender neugotischer Bau aus dem Jahr 1886, wurde nach Plänen des berühmten Wiener Dombaumeisters Friedrich v. Schmidt anstelle einer zu klein gewordenen Vorgängerkirche errichtet. Die original erhaltene Inneneinrichtung, welche ebenfalls von Schmidt stammt, weist diese Kirche als ein bedeutendes Kunstwerk des Historismus aus.

Schloss Büchsenhausen war ursprünglich landesfürstlich und wurde in der Mitte des 16. Jhdts an die Familie Löffler verkauft, welche hier eine weit über die Grenzen Tirols hinaus reichende Gießereiwerkstatt und Possierhütten einrichteten. Berühmte Glocken wie auch begehrte Kanonen entstanden in „Pixenhausen“, bevor es im 17. Jhdt an Kanzler Biener ging, welcher hier eine Bierbrauerei einrichten ließ. Der barocke Umbau erfolgte unter Johann Martin Gumpp d. Ä., und bereits 1837 wurde nördlich des Schlosses ein Schwimmbad errichtet. Seit 1865 im Besitz der Familie Nißl, deren Erbengemeinschaft das Schoss heute noch besitzt.

Auf den Gründen oberhalb des Schlosses gab es im 16.Jhdt einen großen landesfürstlichen Weingarten – es wuchs eine Silvaner Traube, welche sehr geschätzt wurde. Seit dem 18. Jhdt wurde dieser Weingarten aufgelassen. Auch das Venusbad verdient eine Erwähnung, welches 1496 durch Kaiser Maximilian I. gegründet wurde, der sich in dieser Umgebung gerne zur Jagd aufhielt. Bis ins Jahr 1957 war das Bad in Betrieb, welches durch verheerende Überschwemmungen des Fallbaches immer wieder in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Gesellige kam im Bad nicht zu kurz, man konnte sich im Gastgarten nach den anstrengen Badezeremonien (Sole- und Kräuterbäder) stärken. Fremdenzimmer boten Quartier für längere Aufenthalte.

„ANPRUGGEN“ bot neben Künstlern, Handwerkern und Bauern auch den Armen der Stadt Unterkunft. Im „Leprosen- oder Sondersiechenhaus“ fanden diese  Unterschlupf und durften einmal wöchentlich Almosen sammeln.

Der Bereich der heutigen St. Nikolausgasse wurde im Volksmund die „Koatlackn“ genannt, was auf die Abwässer zurückzuführen war, die bei starken Regen unangenehm in Erscheinung traten. Aus dem etwas eigenwilligen Dialekt entstand die Bezeichnung „Koatlackler“, den einige hier Geborene mit Stolz tragen. Der berühmteste „Koatlackler“ war der Volksschauspieler Hans Brenner, den man mit dem „Brenner-Platzl“ ein Denkmal setzte.

Dr. Monika Frenzel

St. Nikolaus sagt
10.07.2014 11:02
Sehr interessanter Bericht, vielen Dank.
Zu sagen gilt aber, dass die Benennung des Brenner-Platzls nicht unbedingt auf viel Gegenliebe bei den Koatlacklern gestoßen ist, zumal Brenner nicht wirklich in St. Nikolaus verwurzelt war/ist.
Der Platz war laut Auskunft "alter" Nikolauser immer als Oberhammer-Platzl bekannt, benannt nach der Bäckerei am Platz.
Peter sagt
25.09.2014 16:07
Ich glaube schon, das Hans Brenner mit St. Nikolaus verwurzelt war. Er wollte hier begraben werden, und ist es auch. Was den Platz angeht, gehört er wie ein "richtiger" Platz, von den Autos befreit. Sicher eine schwierige Angelegenheit, nur mit den Autos rundherum wer will hier sitzen?