„Der Spielplatz
  im Waltherpark ist
zur Straße nicht
  abgezäunt."

Regina B., Mutter

Der Prozess

Ablauf

 

Stadtteilentwicklung wird durch Bürgerbeteiligung angekurbelt

Anpruggen – so lautet die historische Bezeichnung für den Stadtteil am linken Innufer, der Mariahilf und St. Nikolaus umfasst. Ein Schmuckstück sind die Häuserzeilen entlang der Mariahilfer Straße und Innstraße – mit der Nordkette im Hintergrund eines der beliebtesten Fotomotive in Innsbruck. Zunehmend nachgefragt ist Anpruggen auch als Wohngebiet, zentrumsnah gelegen und mit kurzen Wegen zu attraktiven Naherholungsräumen.

Doch der Stadtteil ist auch mit großen Herausforderungen konfrontiert: Verkehrsbelastung und damit verbundene Beeinträchtigung der Lebensqualität, Erhaltung und qualitätsvolle Nutzung der historischen Bausubstanz, Sicherung der Nahversorgung, Belebung der Wirtschaft und damit eng verbunden die Nutzung der Chancen aus dem Tourismus. Angesichts der heterogenen Bevölkerungsstruktur zählt dazu auch die Gestaltung des sozialen und kulturellen Lebens.

Initiative von Stadt Innsbruck und Tourismusverband

Im Markenbildungsprozess wurden in Kooperation von Stadt Innsbruck, Tourismusverband Innsbruck und Wirtschaftskammer Tirol eine Reihe von Themen definiert und zur Umsetzung freigegeben. Angesichts des Handlungsbedarfs und des großen Entwicklungspotenzials zählt dazu auch das Projekt Anpruggen. Unter breiter Einbindung der dort wohnenden und arbeitenden Menschen soll der Stadtteil attraktiver werden. „Die Innenstadt wird laufend sukzessive erweitert und aufgewertet, der Stadtteil auf der anderen Inn-Seite darf dabei nicht vergessen werden“, so Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer zum großen Potential des Stadtteils. Gemeinsam mit Dr. Karl Gostner (Obmann Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer), Bernhard Vettorazzi (Geschäftsführer Innsbruck Marketing GmbH), Georg Mahnke (co:retis – projektpartner) und Dr. Peter Haimayer (Haimayer Projektbegleitung) informierte sie am 17. Februar über die weiteren Schritte.

Selbst in St. Nikolaus aufgewachsen und noch immer dort wohnhaft, ist der älteste Innsbrucker Stadtteil dem TVB-Obmann Gostner auch ein persönliches Anliegen: „Unsere Aufgabe ist es, die Aufenthaltsdauer der Touristen in der Stadt zu erhöhen. Viele machen mitten auf der Innbrücke Erinnerungsfotos, kehren dann aber wieder zurück in die Altstadt. Wir wollen die Leute aber auch auf die andere Seite des Inns locken.“ Dies könne, so Gostner, auch durch neue Zugänge geschehen: „Ich denke da an den Waltherpark, die Innallee oder auch eine Verbindung zur Markthalle. Der eingeleitete Prozess soll hier Konkretes ans Licht bringen.“

Authentischer Tourismus braucht Ideen der Bevölkerung

Der Bürgerbeteiligungsprozess ist in drei Phasen unterteilt. In der ersten Projektphase hat die Künstlerin Mag.a Katharina Cibulka eine umfassende Bestandsaufnahme durchgeführt, Ideen und Wünsche der BürgerInnen zusammengetragen und wertvolle Arbeitsgrundlagen für die nun beginnende zweite Projektphase geschaffen. „Erste Früchte der ersten Phase haben wir bereits mit dem Stadtteilfest und dem besonders stimmungsvollen Adventmarkt unter dem Motto ‚Anpruggen leise‘ geerntet“, berichtete Stadtmarketing-Geschäftsführer Vettorazzi.

„Im Laufe dieser ersten Phase hat sich herauskristallisiert, dass die Aufwertung des Stadtteils eine weit größere Dimensionen annimmt, als zunächst gedacht“, erklärte Oppitz-Plörer: „So haben wir das Stadtmarketing damit beauftragt, einen großangelegten Beteiligungsprozess zu starten, der alle Initiativen bündeln kann.“

„Die wertvollen Vorarbeiten durch Katharina Cibulka werden nun aufgegriffen und Maßnahmen erarbeitet“, zeigte sich Peter Haimayer von der Herausforderung überzeugt: „Die Stadt wird dann die Aufgabe haben, infrastrukturelle Maßnahmen zur Umsetzung zu schaffen.“

Entwicklungsprozess mit vier Handlungsfeldern

Die nun beginnende zweite Phase ist für Februar bis Oktober 2014 angesetzt. Sie knüpft nahtlos an die geleisteten Vorarbeiten an, vertieft und erweitert die bereits eingebrachten Ideen, nimmt neue Anregungen auf und formt daraus konkrete, realisierbare Maßnahmen und Projekte. „Es wird Stadtteilkonferenzen geben, Kinder und Jugendliche werden im Sommer speziell einbezogen, Projektgruppen werden ihre Ergebnisse regelmäßig der Stadtführung bekannt geben“, betonte Georg Mahnke.

Analog zu den genannten Herausforderungen bilden vier Handlungsfelder die inhaltlichen Schwerpunkte dieser Phase: soziales und kulturelles Leben und Integration, wirtschaftliche und touristische Belebung, städtebauliche Gestaltung sowie fließender und ruhender Verkehr. Ihre Bearbeitung erfolgt im engen Zusammenwirken mit interessierten BürgerInnen und in laufender Abstimmung mit den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung.

Ziel der zweiten Projektphase ist es, in Hinblick auf die vier Handlungsfelder einen breiten Konsens über die künftige Entwicklungsrichtung von Anpruggen zu erreichen, realistische Maßnahmen und Projekte zu formulieren und den Boden für die nachfolgende Umsetzung optimal aufzubereiten. Bis Ende Oktober sollen bereits erste kleine Ergebnisse umgesetzt werden. In der anschließenden dritten Phase folgen dann die größeren Projekte. „Auch wenn unter den Stadtteilbewohnerinnen und –bewohnern Einigkeit darin herrscht, dass etwas passieren soll, so braucht es hier doch ganz bestimmt Überzeugungsarbeit – egal in welche Richtung uns der Prozess schließlich führen wird“, betonte die Bürgermeisterin.

Professionelle Begleitung

Mit der Begleitung der Bürgerbeteiligung Anpruggen sind zwei darauf spezialisierte Innsbrucker Unternehmen betraut: co:retis – projektpartner für nachhaltige Entwicklung und Haimayer Projektbegleitung. Ständige Partner im Arbeitsprozess sind Innsbruck Marketing als Auftraggeber sowie das Büro für BürgerInnenbeteiligung der Stadt Innsbruck, das sein methodisches Know-how einbringt und für das effiziente Zusammenspiel von Stadtverwaltung und externer Prozessbegleitung sorgt.

Hannes sagt
03.05.2014 17:50

Endlich wird das Potential von St.Nikolaus und auch hoffentlich von Hötting entdeckt.

Da wäre ich schon bei meinen Anliegen

Wie wäre es mit einer verkehrsberuhigte Zone von der Innstraße beim Innsteg bis zur Mariahilferstraße bei der dortigen Kirche und in weiterer folge die Höttinger Gasse und einen Teil der Schneeburggasse.
 
Die leerstehenden Geschäfte könnten dort von Künstlern und Handwerkern besiedelt werden ähnlich Montmartre in Paris.

Was dann mit dem Verkehr auf die Hungerburg passieren soll ist natürlich eine andere Geschichte und auch nicht Thema.
Max sagt
27.10.2014 10:28
Fände ich auch gut!

Wie wäre es damit: Höhenstraße sperren, nur Anrainer dürfen weiter rauf fahren. Alle anderen können mit dem Bus oder der Hungerburgbahn rauf fahren. Das würde (besonders an jenen schönen Tagen, an denen auch die verkehrsberuhigte Zone durch Passanten "leben" würde) den Autoverkehr deutlich reduzieren!
Markus sagt
07.05.2014 16:44
Endlich geht dieser so wichtige Prozess weiter. Als ältester Stadtteil von Innsbruck, der durch seine BewohnerInnen nach wie vor in vielfältiger Struktur belebt ist, sollte er wieder an Stärke gewinnen. Und eine wesentliche Maßnahme dazu ist m. E. die Ausschließung des Durchzugsverkehrs. Mariahilf und St. Nikolaus sollen endlich wieder genussvoll begehbar sein, ohne Dauerstau und Abgasgestank. Wenn dann auch der Tourismus verstärkt Einzug hält, wird das ein Zusatznutzen sein. Im Vordergrund soll aber die lokale Struktur sein, die vielen genannten guten Ideen zeigen das enorme Potential auf, das hier noch schlummert.
Anonymer Benutzer sagt
12.09.2014 10:24
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin! Ich habe der Konferenz gestern 11.9.2014 beigewohnt. Ich bin Nachkomme einer Familie, die seit Generationen in der Innstraße lebt und somit schlägt in mir das Herz für diesen Stadtteil. Ich bin überaus glücklich, dass dieser scheinbar vergessene Stadtteil endlich Wertschätzung erfährt und dieses historische Juwel in das Auge des Betrachters gelangt. Ich möchte Sie, Frau Bürgermeisterin sowie die gesamte Politik und die MitarbeiterInnen in der Stadtverwaltung ermutigen, diesen Juwel zum Funkeln zu bringen und somit für alle Zeiten "Geschichte" zu schreiben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und beglückwünsche Sie zu Ihrer Weisheit, diesen Entwicklungsprozess "Anpruggen" endlich zu starten. Viele der angesprochenen Visionen waren Träume aus meinen eigenen Kinder- und Jugendtagen. Somit gehen Wünsche vielleicht nicht immer sofort in Erfüllung, aber irgendwann doch. Ich möchte den Entwicklungsprozess weiter verfolgen und freue mich darauf. Wenn ich mich einbringen kann, werde ich das gerne tun.
elisabeth sagt
25.09.2014 00:12
seid ihr euch bewusst, was ihr am tun seid? seid vorsichtig, dass die "entwicklung" den stadtteil nicht eigentlich zerstört... was ja irgendwie gerade im laufen ist. stichwort: abrisse. stichwort: bauträger. stichwort: luxuswohnungen. stichwort: begehrte lage. und wofür touristen?! damit alles noch schneller geht? warum hat st. nikolaus/mariahilf flair? warum die kleinen spannenden läden? genau: noch leistbare mieten. wenn das mit der aufwertung wegfällt, wars auch das.
grüße, elisabeth (ehemalige, weggentrifizierte - siehe stichworte - st. nikolauserin)
Michael Guggenberger sagt
06.10.2014 22:13
Die Zukunft von Anpruggen hängt entscheidend vom Umgang mit seiner historischen Bausubstanz ab. Siehe dazu: http://saegewerk.org/laboratory/urban/anpruggen-koatlackn

und
http://saegewerk.org/[…]/